6.2.1 Expositionsklassen und Feuchtigkeitsklassen

Zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit von Betonbauteilen sind in DIN EN 206-1/DIN 1045-2 die Einwirkungen der Umgebungsbedingungen in Expositionsklassen für Bewehrungs- und/oder Betonkorrosion sowie Feuchtigkeitsklassen für Betonkorrosion eingeteilt:

  • Kein Korrosions- oder Angriffsrisiko: X0
  • Expositionsklasse für Bewehrungskorrosion: XC, XD, XS
  • Expositionsklasse für Betonkorrosion: XF, XA, XM, W
  • Feuchtigkeitsklasse für Betonkorrosion: W

Beton kann mehr als einer der in den folgenden Tabellen genannten Umgebungsbedingungen ausgesetzt sein. Diese sind als Kombination von Expositionsklassen und Feuchtigkeitsklasse anzugeben. Maßgebend für den Betonentwurf ist die jeweils schärfste Einzelanforderung.

6.2.1.1 Kein Korrosions- oder Angriffsrisiko

Bauteilen ohne Bewehrung oder eingebettetes Metall in nicht Beton angreifender Umgebung wird die Expositionsklasse X0 zugeordnet.

Klassen-
bezeichnung

Beschreibung der UmgebungBeispiele für die Zuordnung
von Expositionsklassen
X0

für Beton ohne Bewehrung oder eingebettetes Metall: alle Umgebungsbedingungen, ausgenommen Frostangriff, Verschleiß oder chemischer Angriff

  • Fundamente ohne Bewehrung und ohne Frost
  • Innenbauteile ohne Bewehrung

Ausdruck der Tabelle

6.2.1.2 Bewehrungskorrosion durch Karbonatisierung

Wenn Beton, der Bewehrung oder anderes eingebettetes Metall enthält, Luft und Feuchtigkeit ausgesetzt ist, muss die Expositionsklasse nach folgender Tabelle zugeordnet werden.

Klassen-
bezeichnung

Beschreibung der UmgebungBeispiele für die Zuordnung von Expositionsklassen
XC1trocken oder ständig nass
  • Bauteile in Innenräumen mit üblicher Luftfeuchte
    (einschließlich Küche, Bad und Waschküche in Wohngebäuden)
  • Beton, der ständig in Wasser getaucht ist
XC2nass, selten trocken
  • Teile von Wasserbehältern
  • Gründungsbauteile
XC3mäßige Feuchte
  • Bauteile, zu denen die Außenluft häufg oder ständig Zugang hat, z. B. offene Hallen, Innenräume mit hoher Luftfeuchtigkeit z. B. in gewerblichen Küchen, Bädern, Wäschereien, in Feuchträumen von Hallenbädern und in Viehställen
  • Dachflächen mit flächiger Abdichtung
  • Verkehrsflächen mit flächiger unterlaufsicherer Abdeckung 1)
XC4wechselnd nass und trocken
  • Außenbauteile mit direkter Beregnung

Ausdruck der Tabelle

1) Siehe DIN EN 1992-1-1/NA/A1; Instandhaltungsplan nach DAfStb-Instandsetzungsrichtlinie erforderlich.

Anmerkung: Die Feuchtigkeitsbedingung bezieht sich auf den Zustand innerhalb der Betondeckung der Bewehrung oder anderen eingebetteten Metalls. Wenn keine Sperrschicht zwischen dem Beton und seiner Umgebung ist, kann angenommen werden, dass die Bedingungen in der Betondeckung den Umgebungsbedingungen entsprechen. In diesem Fall darf die Klasseneinteilung nach der Umgebungsbedingung als gleichwertig angenommen werden.

6.2.1.3 Bewehrungskorrosion durch Chloride (außer Meerwasser)

Wenn Beton, der Bewehrung oder anderes eingebettetes Metall enthält, Chloriden, ausgenommen aus Meerwasser, einschließlich Taumittel, ausgesetzt ist, muss die Expositionsklasse nach folgender Tabelle zugeordnet werden.

Klassen-
bezeichnung

Beschreibung der UmgebungBeispiele für die Zuordnung von Expositionsklassen
XD1mäßige Feuchte
  • Bauteile im Sprühnebelbereich von Verkehrsflächen
  • Einzelgaragen
  • befahrene Verkehrsflächen mit vollflächigem Oberflächenschutz 1)
XD2nass, selten trocken
  • Solebäder
  • Bauteile, die chloridhaltigen Industrieabwässern ausgesetzt sind
XD3wechselnd nass und trocken
  • Teile von Brücken mit häufger Spritzwasserbeanspruchung
  • Fahrbahndecken
  • befahrene Verkehrsflächen mit rissevermeidenden Bauweisen ohne Oberflächenschutz oder ohne Abdichtung 1)
  • befahrene Verkehrsflächen mit dauerhaftem lokalen Schutz von Rissen 1) 2)

1) Siehe DIN EN 1992-1-1/NA/A1; Instandhaltungsplan nach DAfStb-Instandsetzungsrichtlinie erforderlich.
2) Siehe DIN EN 1992-1-1/NA/A1; lokaler Schutz nach DAfStb-Instandsetzungsrichtlinie.

Ausdruck der Tabelle

6.2.1.4 Bewehrungskorrosion durch Chloride aus Meerwasser

Wenn Beton, der Bewehrung oder anderes eingebettetes Metall enthält, Chloriden aus Meerwasser oder salzhaltiger Seeluft ausgesetzt ist, muss die Expositionsklasse nach folgender Tabelle zugeordnet werden.

Klassen-
bezeichnung

Beschreibung der UmgebungBeispiele für die Zuordnung von Expositionsklassen
XS1salzhaltige Luft, aber kein unmittelbarer Kontakt mit MeerwasserAußenbauteile in Küstennähe
XS2unter WasserBauteile in Hafenanlagen, die ständig unter Wasser liegen
XS3Tidebereiche, Spritzwasser- und SprühnebelbereicheKaimauern in Hafenanlagen

Ausdruck der Tabelle

6.2.1.5 Betonkorrosion durch Frostangriff mit und ohne Taumittel

Wenn durchfeuchteter Beton erheblichem Angriff durch Frost-Tau-Wechsel ausgesetzt ist, muss die Expositionsklasse nach folgender Tabelle zugeordnet werden.

Klassen-
bezeichnung

Beschreibung der UmgebungBeispiele für die Zuordnung von Expositionsklassen
XF1mäßige Wassersättigung, ohne Taumittel
  • Außenbauteile
XF2mäßige Wassersättigung, mit Taumittel
  • Bauteile im Sprühnebel- oder Spritzwasserbereich von taumittelbehandelten Verkehrsflächen, soweit nicht XF4
  • Betonbauteile im Sprühnebelbereich von Meerwasser
XF3hohe Wassersättigung, ohne Taumittel
  • offene Wasserbehälter
  • Bauteile in der Wasserwechselzone von Süßwasser
XF4hohe Wassersättigung, mit Taumittel
  • Verkehrsflächen, die mit Taumitteln behandelt werden
  • überwiegend horizontale Bauteile im Spritzwasserbereich von taumittelbehandelten Verkehrsflächen
  • Räumerlaufbahnen von Kläranlagen
  • ​Meerwasserbauteile in der Wasserwechselzone

Ausdruck der Tabelle

6.2.1.6 Betonkorrosion durch chemischen Angriff

Wenn Beton chemischem Angriff durch natürliche Böden, Grundwasser, Meerwasser und Abwasser ausgesetzt ist, muss die Expositionsklasse nach folgender Tabelle zugeordnet werden.

Klassen-
bezeichnung

Beschreibung der UmgebungBeispiele für die Zuordnung von Expositionsklassen
XA1chemisch schwach angreifende Umgebung nach der folgenden Tabelle
  • Behälter von Kläranlagen
  • Güllebehälter
XA2chemisch mäßig angreifende Umgebung nach der folgenden Tabelle und Meeresbauwerke
  • Betonbauteile, die mit Meerwasser in Berührung kommen
  • Bauteile in betonangreifenden Böden
XA3chemisch stark angreifende Umgebung nach der folgenden Tabelle
  • Industrieabwasseranlagen mit chemisch angreifenden Abwässern
  • Futtertische der Landwirtschaft
  • Kühltürme mit Rauchgasableitung

Ausdruck der Tabelle

Anmerkung: Bei XA3 und unter Umgebungsbedingungen außerhalb der Grenzwerte der folgenden Tabelle, bei Anwesenheit anderer angreifender Chemikalien, chemisch verunreinigtem Boden oder Wasser, bei hoher Fließgeschwindigkeit von Wasser und Einwirkung von Chemikalien nach folgender Tabelle sind Anforderungen an den Beton oder Schutzmaßnahmen in DIN EN 206-1/DIN 1045-2 vorgegeben.

Grenzwerte bei chemischem Angriff durch natürliche Böden und Grundwasser

Chemisches MerkmalReferenzprüfverfahrenXA1XA2XA3
Grundwasser 1)
SO42- [mg/l] 2)DIN EN 196-2 /
DIN 4030-2
≥ 200 und
≤ 600
> 600 und
≤ 3000
> 3000 und
≤ 6000
pH-Wert [-]

ISO 4316 /
DIN 4030-2

≤ 6,5 und
≥ 5,5

< 5,5 und
≥ 4,5

< 4,5 und
≥ 4,0

CO2 [mg/l] angreifendDIN 4030-2

≥ 15 und
≤ 40

> 40 und
≤ 100

> 100
bis zur Sättigung

NH4+ [mg/l] 3) 

ISO 7150-1 /
DIN 4030-2

≥ 15 und
≤ 30

> 30 und
≤ 60

> 60 und
≤100

Mg2++ [mg/l]DIN EN ISO 7980 /
DIN 4030-2

≥ 300 und
≤ 1000

> 1000 und
≤ 3000

> 3000
bis zur Sättigung

Boden 1)

SO42- [mg/kg] 4)
insgesamt

DIN EN 196-2 5) / DIN 4030-2

≥ 2000 und
≤ 3000 7)

> 3000 6) und
≤ 12000

> 12000 und
≤ 24000

SäuregradDIN 4030-2> 200in der Praxis nicht anzutreffenin der Praxis nicht anzutreffen

1) Die Klasseneinteilung chemisch angreifender Umgebungen gilt für natürliche Böden und Grundwasser mit einer  Wasser-  bzw.  Boden-Temperatur  zwischen  5 °C und 25 °C und einer Fließgeschwindigkeit des Wassers, die klein genug ist, um näherungsweise hydrostatische Bedingungen anzunehmen.
2) Falls der Sulfatgehalt des Grundwassers > 600 mg/l beträgt, ist dies im Rahmen der Festlegung des Betons anzugeben.
3) Gülle kann, unabhängig vom NH4+-Gehalt, in die Expositionsklasse XA1 eingeordnet werden.
4) Tonböden mit einer Durchlässigkeit von weniger als 10-5 m/s dürfen in eine niedrigere Klasse eingestuft werden.
5) Das Prüfverfahren beschreibt die Auslaugung von SO42- durch Salzsäure; Wasserauslaugung darf stattdessen angewandt werden, wenn am Ort der Verwendung des Betons Erfahrung hierfür vorhanden ist.
6) Falls die Gefahr besteht, dass durch wechselndes Trocknen und Durchfeuchten oder kapillares Saugen Sulfationen im Beton angehäuft werden, ist der Grenzwert von 3000 mg/kg auf 2000 mg/kg zu vermindern.
7) Nach Baumann-Gully

Ausdruck der Tabelle

Anmerkung: Es gilt die höchste Angriffsklasse, die aus den einzelnen chemischen Merkmalen ermittelt wurde. Führen zwei oder mehrere angreifende Merkmale zu derselben Klasse, muss die Umgebung der nächsthöheren Klasse zugeordnet werden, sofern nicht speziell für diesen Fall nachgewiesen wird, dass dies nicht erforderlich ist. Auf einen Nachweis kann verzichtet werden, wenn keiner der Werte im oberen Viertel (bei pH im unteren Viertel) liegt. Hinsichtlich Vorkommen und Wirkungsweise von chemisch angreifenden Böden und Grundwasser siehe DIN 4030-1.

6.2.1.7 Betonkorrosion durch Verschleißbeanspruchung

Wenn Beton einer erheblichen mechanischen Beanspruchung ausgesetzt ist, muss die Expositionsklasse nach folgender Tabelle zugeordnet werden.

Klassenbezeichnung

Beschreibung der UmgebungBeispiele für die Zuordnung von Expositionsklassen
XM1mäßige Verschleißbeanspruchung
  • tragende oder aussteifende Industrieböden mit Beanspruchung durch luftbereifte Fahrzeuge
XM2starke Verschleißbeanspruchung
  • tragende oder aussteifende Industrieböden mit Beanspruchung durch luft- oder vollgummibereifte Gabelstapler
XM3sehr starke Verschleißbeanspruchung
  • tragende oder aussteifende Industrieböden mit Beanspruchung durch elastomer- oder stahlrollenbereifte Gabelstapler
  • Oberflächen, die häufg mit Kettenfahrzeugen befahren werden
  • Wasserbauwerke in geschiebebelasteten Gewässern,
    z. B. Tosbecken

Ausdruck der Tabelle

6.2.1.8 Betonkorrosion infolge Alkali-Kieselsäure-Reaktion

Anhand der zu erwartenden Umgebungsbedingungen ist der Beton einer der vier Feuchtigkeitsklassen nach folgender Tabelle zuzuordnen.

Klassen-
bezeichnung

Beschreibung der UmgebungBeispiele für die Zuordnung der
Feuchtigkeitsklassen
WO

Beton, der nach dem Austrocknen
während der Nutzung weitgehend
trocken bleibt

(trocken)

  • Innenbauteile eines Hochbaus
  • Bauteile, auf die Außenluft, aber kein Niederschlag, Oberfächenwasser, Bodenfeuchte einwirken und/oder die nicht ständig einer rel. Luftfeuchte > 80 % ausgesetzt sind
WF

Beton, der während der Nutzung
häufg oder längere Zeit feucht ist

(feucht)

  • Ungeschützte Außenbauteile
  • Innenbauteile des Hochbaus für Feuchträume, in denen die rel. Luftfeuchte überwiegend > 80 %, (z. B. Hallenbäder, Wäschereien, andere gewerbliche Feuchträume)
  • Bauteile mit häufiger Taupunktunterschreitung (z. B. Schornsteine, Wärmeübertragerstationen, Filterkammern und Viehställe)
  • Massige Bauteile, deren kleinstes Maß > 0,80 m ist (unabhängig vom Feuchtezutritt)
WA

Beton, der während der Nutzung
häufig oder längere Zeit feucht ist
und zusätzlich häufiger oder lang-
zeitiger Alkalizufuhr von außen aus-
gesetzt ist

(feucht + Alkalizufuhr von außen)

  • Bauteile mit Meerwassereinwirkung
  • Bauteile mitTausalzeinwirkung ohne zusätzliche hohe dynamische Beanspruchung (z. B. Spritzwasserbereiche, Fahr- und Stellflächen in Parkhäusern)
  • Bauteile von Industriebauten und landwirtschaftlichen Bauwerken mit Alkalisalzeinwirkung  (z. B. Güllebehälter)
WS 1)

Beton, der Klasse WA mit zusätz-
licher hoher dynamischer Beanspruchung

(feucht + Alkalizufuhr von außen +
starke dynamische Beanspruchung)

  • Bauteile unter Tausalzeinwirkung mit zusätzlicher hoher dynamischer Beanspruchung (Betonfahrbahnen der Belastungsklasse Bk 100 bis Bk 1,8 nach RStO)

Ausdruck der Tabelle

1) Die Feuchtigkeitsklasse WS ist in DIN EN 1992-1-1/NA nicht enthalten. WS wird nur für hochbeanspruchte Fahrbahndecken aus Beton nach TL Beton-StB angewendet (siehe auch Kapitel 13.2, Tabelle 13.2.1.2 c).