11.3.1 Bestimmung der Bauwerksdruckfestigkeit

Die Abschätzung der charakteristischen Druckfestigkeit von Bauwerksbeton fck,is und die Zuordnung zu Druckfestigkeitsklassen der DIN EN 206-1/DIN 1045-2 erfolgt nach folgender Verfahrensweise:

  • 1. Auswahl des Prüfverfahrens
  • 2. Abschätzung der charakteristischen Bauwerksdruckfestigkeit fck,is
  • 3. Zuordnung zu einer Druckfestigkeitsklasse nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2

Die Bohrkernprüfung gilt als Referenzverfahren. Die Prüfwerte sind auf 0,1 N/mm² anzugeben. Die Druckfestigkeit eines luftgelagerten Bohrkerns mit Nenndurchmesser von 100 mm bzw. 150 mm darf der Druckfestigkeit eines bis zur Prüfung wassergelagerten Würfels mit 150 mm Kantenlänge gleichgesetzt werden. Bei Bohrkernen mit Nenndurchmesser von 50 mm sind 90 % seiner Festigkeit als Würfelfestigkeit anzusetzen.

Abschätzung der charakteristischen Bauwerksfestigkeit und die Zuordnung zu Druckfestigkeitsklassen

Prüfverfahren

Basis des BewertungsverfahrensAnzahl1)der
Proben/Prüfstellen
Abschätzung der charakteristischen Druck-
festigkeit fck, is2)
Druckfestigkeitsklasse nach
DIN EN 206-1/DIN 1045-2
Bohrkernprüfung nach DIN EN
12504-1
(Referenzverfahren)
Prüfung von Bohrkernen (Anzahl n)
  • d = 100 mm oder 150 mm
  • d < 100 mm möglich, dmin = 50 mm
  • Durchmesser d = Höhe h
  • luftgelagerte Bohrkerne
n ≥ 15 (Ansatz A)fck,is = fm(n),is − 1,48 ⋅ s3)
oder4)
fck,is = fis,niedrigst + 4
Zugeordnete Druckfestigkeitsklasse
3 ≤ n ≤ 14
(Ansatz B)
fck,is = fm(n),is − k5)
oder4)
fck,is = fis,niedrigst + 4
Rückprallhammer nach DIN EN
12504-2 oder
Ausziehkraft nach DIN EN
12504-3 oder
Ultraschallgeschwindigkeit nach
DIN EN 12504-4
Bezugskurve aus Korrelation mit
Bohrkernfestigkeiten (≥ 18 Werte-
paare)
n ≥ 15fck,is = fm(n),is − 1,48 ⋅ s6)
oder4)
fck,is = fis,niedrigst + 4
Vorgegebene Bezugskurve, angepasst
auf aktuelles Festigkeitsniveau
durch Korrelation mit Bohrkernfestig-
keiten (≥ 9 Wertepaare)
Rückprallhammer nach DIN EN
12504-2
Bezugsgerade W, aus Vergleich von
Festigkeits- und Rückprall-Prüfungen
an Würfeln (≥10 Würfel, luftgelagert)
Rückprallhammer nach DIN EN
12504-2
Bezugstabelle in DIN EN 13791 (ohne
Korrelation mit Bohrkernfestigkeiten)
n ≥ 9-Zugeordnete Druckfestigkeitsklasse7)
 

1) Die Anzahl der Bohrkerne/Prüfungen richtet sich nach DIN EN 13791, Anhang NA 4.3.
   a) Bohrkerne: 
      d ≥ 100 mm: 1-fache Anzahl 
      d < 100 mm + Größtkorn ≤ 16 mm: 1,5-fache Anzahl 
      d < 100 mm + Größtkorn > 16 mm: 2-fache Anzahl
   b) Zerstörungsfreie Prüfungen: mindestens 3-fache Anzahl
2) fck,is: charakteristische Druckfestigkeit des Bauwerksbetons
    fis: Prüfergebnis der Druckfestigkeit des Bauwerksbetons
    fis,niedrigst: niedrigstes Prüfergebnis der Druckfestigkeit des Bauwerksbetons
    fm(n),is: Mittelwert von n Prüfergebnissen der Druckfestigkeit des Bauwerksbetons
3) s: Standardabweichung der Prüfergebnisse, Mindestwert: 2 N/mm2
4) Der niedrigere der beiden Werte ist maßgebend.
5) k = 5 für n = 10 bis 14
    k = 6 für n = 7 bis 9
    k = 7 für n = 3 bis 6
6) s: Standardabweichung der Prüfergebnisse, Mindestwert: 3 N/mm2
7) Nicht für Leichtbetone und hochfeste Betone; Karbonatisierungstiefe ≤ 5 mm; nicht für geschädigte Betonoberfächen; Zuordnung nur für Tragfähigkeitsnachweis.

 

Ausdruck der Tabelle

Bei den indirekten Prüfverfahren (Rückprallhammer-Prüfung, Prüfung der Ausziehkraft und Bestimmung der Ultraschallgeschwindigkeit) werden andere physikalische Messgrößen ermittelt. Die Beziehung zwischen diesen Messgrößen und der Bohrkernfestigkeit ist zu bestimmen.

Bei der Rückprallhammer-Prüfung ist eine Korrelation zwischen Rückprallergebnissen und Festigkeitsprüfungen an Würfeln gegeben (Bezugsgerade W). Die direkte Zuordnung der Rückprallprüfergebnisse zur Druckfestigkeitsklasse nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 ist auch mit Hilfe einer Bezugstabelle möglich.