10.1 Betondeckung der Bewehrung nach DIN EN 1992-1-1 und DIN EN 1992-1-1/NA

Zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit von Stahlbeton legen DIN EN 1992-1-1 und DIN EN 1992-1-1/NA Anforderungen an die Betondeckung der Bewehrung fest. Betondeckung ist der minimale Abstand zwischen Bewehrungsoberfläche zur nächstgelegenen Betonoberfläche.

Begriffe und Zeichen nach DIN EN 1992-1 und DIN EN 1992-1-1/NA

BegriffDefinition
Betondeckung
  • Abstand zwischen der Oberfläche eines Bewehrungsstabes und der nächstgelegenen Betonoberfläche
cnom
  • Nennmaß der Betondeckung
cmin
  • Mindestbetondeckung
  • Kontrollmaß am erhärteten Bauteil
Δcdev
  • Vorhaltemaß der Betondeckung zur Berücksichtigung unplanmäßiger Abweichungen
  • Zur Gewährleistung von cmin im erhärteten Bauteil
  • Angabe auf Bewehrungszeichnung erforderlich“
cv
  • Verlegemaß der Bewehrung cv ≥ cnom (siehe folgende Abbildung)
  • Angabe auf Bewehrungszeichnung erforderlich
  • maßgebend für die statische Bauteilbemessung (Nutzhöhe d)
cmin,b
  • Mindestbetondeckung aus Verbundanforderung
cmin,dur
  • Mindestbetondeckung aus Dauerhaftigkeitsanforderung
Δcdur,g
  • additives Sicherheitselement
Δcdur,st
  • Größe der mögl. Betondeckungsreduzierung bei Verwendung nicht rostender Stähle
Δcdur,add
  • Größe der möglichen Betondeckungsreduzierung bei Anwendung zusätzlicher Schutzmaßnahmen
Φs
  • Stabdurchmesser der Betonstahlbewehrung
Φn
  • Vergleichsdurchmesser der Bewehrung eines Stabbündels
Φp
  • Nenndurchmesser der Litze oder des Drahtes bei Spanngliedern
Φduct
  • Hüllrohrdurchmesser

Ausdruck der Tabelle

Betondeckung der Bewehrung

Abb. 10.1.a: Betondeckung der Bewehrung.

Grundsätzliche Anforderung an die Betondeckung

cnom = cmin + Δcdev

Einhaltung der Mindestbetondeckung cmin

  • zur Sicherstellung der Übertragung von Verbundkräften zwischen Bewehrung und Beton (Verbund)
  • zum Schutz des einbetonierten Stahls vor Korrosion (Dauerhaftigkeit)
  • zum Schutz der Bewehrung gegen Brandeinwirkung unter Berücksichtigung von DIN EN 1992-1-2 (Feuerwiderstand)

Maßgebend ist der größere Wert, der sich aus den Verbund- bzw. Dauerhaftigkeitsanforderungen ergibt.

cmin = max {cmin,b; cmin,dur + Δcdur,γ - Δcdur,st - Δcdur,add; 10 mm }
jedoch stets cmin ≥ cmin,b

Beispiel: Wohnhausdecke

Gegeben:

  • Expositionsklasse: XC1, W0
  • Mindestbetonfestigkeit: C16/20
  • Mindestbetondeckung: cmin,dur = 10 mm
  • Stabdurchmesser der untersten Bewehrungslage: Ø = 14 mm
  • keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen, Normalstahl

Gesucht:

  • Mindestbetondeckung cmin
  • Vorhaltemaß Δcdev
  • Nennmaß cnom

Lösung:

Korrekturwert (additives Sicherheitselement): Δcdur, γ = 0 mm
Mindestmaß XC1: cmin,dur = 10 mm

Mindestbetondeckung aus Dauerhaftigkeitsanforderung:
cmin ≥ cmin,dur + Δcdur, γ - Δcdur,st - Δcdur,add = 10 + 0 – 0 – 0 = 10 mm

Mindestbetondeckung aus Verbundanforderung: cmin,b = 14 mm

  • Mindestbetondeckung: cmin ≥ cmin,b = 15 mm (gerundet auf volle 5 mm-Schritte)
  • Vorhaltemaß: Δcdev = 10 mm
  • Nennmaß (Angabe auf der Bewehrungszeichnung): cnom = cmin + Δcdev = 15 + 10 = 25 mm

Mindestbetondeckung cmin,b zur Sicherstellung eines ausreichenden Verbundes

Art der Stahleinlage

Mindestbetondeckung cmin,b1) 2)
BetonstabstahlStabdurchmesser Φ s
StabbündelVergleichsdurchmesser Φ n
Spannglieder
im nachträglichen Verbund 3)
runde HüllrohreHüllrohrdurchmesser Φ duct ≤ 80 mm
rechteckige Hüllrohre
mit a ≤ b
max{a; b/2} ≤ 80 mm
Spannglieder
im sofortigen Verbund 3)
2,5 Φ p
Spannglieder ohne Verbundgem. Bestimmungen der Europäischen
Technischen Bewertung

1) Bei Größtkorn > 32 mm und unebener Oberfläche ist i.d.R. cmin,b um 5 mm zu vergrößern.
2) Bei Leichtbeton ist cmin,b um 5 mm zu vergrößern.
3) Im Verankerungsbereich von Spanngliedern Mindestbetondeckung nach jeweiliger Europäischer Technischer Bewertung.

Ausdruck der Tabelle

Mindestbetondeckung cmin,dur aus Dauerhaftigkeitsanforderung und additives Sicherheitselement Δcdur,γ

Expositionsklasse

Dauerhaftigkeitsanforderung cmin,dur in mm für
Betonstahl DIN 488Spannstahl
cmin,dur1) 2)Δcdur,γcmin,dur1) 2)Δcdur,γ
(X0)(10)0(10)0
XC11020
XC2/XC32030
XC42535
XD1/XS130+ 1040+10
XD2/XS235+ 545+ 5
XD3/XS3400500

1) Anforderungsklasse S3 (50 Jahre Nutzungsdauer für den allgemeinen Hochbau).
2) Verminderung von cmin,dur um 5 mm zulässig, sofern
- Beton ohne Luftporenbildner mindestens zwei Klassen über indikativer Mindestfestigkeitsklasse nach DIN EN 1992-1-1 und DIN EN 1992-1-1/NA, Anhang E, liegt,
- Beton mit Mindestluftgehalt für Expositionsklassen XF mindestens eine Klasse über indikativer Mindestfestigkeitsklasse liegt.

Ausdruck der Tabelle

Weitere Regelungen:

  • Nichtrostende Stähle:
    Für die Abminderung der Mindestbetondeckung Δcdur,st gelten die Bestimmungen der jeweiligen allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen.
  • Rissüberbrückende Beschichtung:
    Die Abminderung der Mindestbetondeckung Δcdur,add darf in den Expositionsklassen XD mit 10 mm angesetzt werden. In allen anderen Fällen ist Δcdur,add = 0.
  • Fertigteile:
    Bei kraftschlüssigem Verbund mit Ortbeton verbunden gilt für die Betondeckung beidseitig der Fuge cmin = cmin,b, sofern Beton C25/30 verwendet wird, das Außenklima maximal 28 Tage auf die Betonoberfläche einwirken kann und die Fuge aufgeraut wird.
  • Verschleißbeanspruchung:
    Wird bei Betonbauteilen der Expositionsklasse XM auf den Einsatz von Gesteinskörnungen mit zusätzlichen Anforderungen verzichtet, kann die Beanspruchung durch eine Vergrößerung der Betondeckung (Opferschicht) berücksichtigt werden. Die Mindestbetondeckung cmin ist dabei für XM1 um k1 = 5 mm, für XM2 um k2 = 10 mm und für XM3 um k3 = 15 mm zu erhöhen.

Um mögliche negative Abweichungen in der Bauausführung zu berücksichtigen, ist das Vorhaltemaß nach der folgenden Tabelle zu wählen.

Vorhaltemaß Mindestbetondeckung Δcdev

Vorhaltemaß Δcdev in mm 1) 2)

für Dauerhaftigkeit mit min cmin,dur15 3)
für Verbund mit cmin,b10

1) Unter der Voraussetzung einer entsprechenden Qualitätskontrolle bei Planung, Entwurf, Herstellung und Bauausführung darf Δcdev um 5 mm verringert werden.
2) Bei bewehrten Bauteilen auf Sauberkeitsschicht ist das Vorhaltemaß um k1 = 20 mm, bei bewehrten Bauteilen gegen Baugrund um k2 = 50 mm zu erhöhen.
3) Für XC1 gilt Δcdev = 10 mm.

Ausdruck der Tabelle